Foto: Dr. N. Stapper Altlast Silbersee bei Dormagen

Fachgespräch: „Altlasten, Bodenschutz, PFAS und Rheinverschmutzung im Planungsraum des Regionalrates Düsseldorf”

Am 08.05.2026 fand das Fach­ge­spräch zu den Themen „Altlas­ten, Boden­schutz, PFAS und Rhein­ver­schmut­zung im Planungs­raum des Regio­nal­ra­tes Düssel­dorf auf Einla­dung der Regio­nal­rats­frak­ti­on Düssel­dorf für Vertreter*innen aus dem Bereich Umwelt, Planung etc. der Stadt- und Kreis­tags­frak­tio­nen von Bünd­nis 90/DIE GRÜNEN in unse­rer Geschäfts­stel­le – Hilden statt.

Es war eine sehr infor­ma­ti­ve, dich­te und facet­ten­rei­che Veran­stal­tung. Die Referent*innen kamen von der Bezirks­re­gie­rung, einer städ­ti­schen Unte­ren Boden­schutz­be­hör­de, dem Landes­amt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) und einer Bürger­initia­ti­ve. Im Anschluss zu jedem Fach­bei­trag war die Möglich­keit gege­ben, Fragen zu stel­len und zu disku­tie­ren. Um einen nach­voll­zieh­ba­ren und quali­fi­zier­ten Einblick in das Themen­feld zu geben, haben wir die Vorträ­ge unse­rer Referent*innen für Sie verlinkt.

Anlass für unser Fach­ge­spräch waren die stan­dard­mä­ßi­gen Jahres­be­rich­te in unse­ren Gremi­en „zur Gefah­ren­er­mitt­lung und Sanie­rung von Altlas­ten sowie weite­ren Maßnah­men des Boden­schut­zes“ Bericht für 2025 / Ausschuss für Umwelt und Regio­na­le Zusam­men­ar­beit 11.03.26

Auffäl­lig für uns waren z.B. in den letz­ten Jahren die zuneh­men­den PFAS-Sanie­rungs­fäl­le, z.B. in der Stadt Düssel­dorf. Aufmerk­sam mach­ten uns Hinwei­se, dass die Anträ­ge für Sanie­rungs­un­ter­su­chun­gen und ‑Durch­füh­run­gen aufgrund mangeln­den Perso­nals in Kommu­nen und Land­krei­sen durch­aus noch Luft nach oben haben würden.

Wir baten daher den verant­wort­li­chen Mitar­bei­ter der Bezirks­re­gie­rung aus dem Dezer­nat 52, Götz Stell­ma­cher, um einen Über­blick zu seinem Arbeits­be­reich, der sich als wesent­lich umfang­rei­cher als gedacht heraus­stell­te. Bei wohl über 30.000 Altlas­ten­flä­chen in unse­rem Planungs­raum sind Sanie­run­gen das A und O, um inner­städ­ti­sche Brachen und aufge­ge­be­ne Indus­trie­area­le wieder zu revi­ta­li­sie­ren anstatt – wie üblich – Gewer­be und Wohnen oftmals auf der „grünen Wiese“ bzw. land­wirt­schaft­li­chen Flächen anzusiedeln.

Deut­lich wurde aus dem Foli­en­vor­trag von Götz Stell­ma­cher, dass es bei der Ausschöp­fung von Förder­an­trä­gen um mehr als Altlas­ten­sa­nie­rung bzw. nach­sor­gen­den Boden­schutz, sondern zuneh­mend um vorsor­gen­den Boden­schutz geht: Boden­funk­ti­ons­kar­ten (Neuss, Solin­gen, Mett­mann), Bewer­tung von Moor­bö­den oder Auen­ge­bie­ten (Vier­sen) sowie Iden­ti­fi­ka­ti­on von Böden mit hoher Bedeu­tung für die Klima­funk­ti­on (Boden­kühl­leis­tung) (Düssel­dorf) – ein brei­tes Betä­ti­gungs­feld für die Kommunalpolitik.

Götz Stell­ma­cher, Bezirks­re­gie­rung Düsseldorf

  • Altlas­ten im Regio­nal­pla­nungs­raum Düssel­dorf- Gefah­ren­er­mitt­lung und Sanie­rung von Altlas­ten, ein Überblick
  • Vortrag 

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Foto: Ute Sickel­mann Boden­schutz (?) bei Bauprojekten

Dr. Chris­ti­ne Meyer von der Unte­ren Boden­schutz­be­hör­de der Stadt Solin­gen gab einen vertief­ten Einblick in den nach­sor­gen­den und vorsor­gen­den Boden­schutz einer kreis­frei­en Kommu­ne. Ihr Fazit: Der Boden erbringt wert­vol­le Ökosys­tem­dienst­leis­tun­gen und sein Schutz muss syste­ma­tisch, konse­quen­ter und lang­fris­tig ange­gan­gen werden.

Dr. Chris­ti­ne Meyer, Unte­re Boden­schutz­be­hör­de der Stadt Solingen

  • Boden­schutz und seine Heraus­for­de­run­gen auf kommu­na­ler Ebene
  • Vortrag

Die Vergif­tung durch die Ewig­keits­che­mi­ka­li­en­grup­pe PFAS hat inzwi­schen die Öffent­lich­keit erreicht. Lang­fris­ti­ge Gesund­heits­aus­wir­kun­gen, aber auch stark stei­gen­de finan­zi­el­le Belas­tun­gen der Gemein­den sowie für die Wasser­ge­win­nung und Abwas­ser­be­hand­lung sind immer noch nicht rich­tig abschätz­bar. Teile der Indus­trie, aber auch der Poli­tik, leis­ten hart­nä­cki­gen Wider­stand gegen ein perspek­ti­vi­sches Verbot dieser Stoff­grup­pe und die beschleu­nig­te Entwick­lung und Anwen­dung von notwen­di­gen Ersatzstoffen.

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Die LANUK-Exper­tin (Landes­amt für Natur, Umwelt und Klima NRW) Dr. Sabi­ne Berg­mann gab uns anschlie­ßend einen Über­blick über das Vorkom­men von PFAS in Böden, Gewäs­sern und Rohwas­ser­res­sour­cen in NRW. Teil­wei­sen Verbes­se­run­gen von Belas­tun­gen in Gewäs­sern stehen z.B. konti­nu­ier­lich stei­gen­de Fall­zah­len­ent­wick­lun­gen in Böden entge­gen. Da ab Beginn des Jahres 2026 neue und zu messen­de Trink­was­ser­grenz­wer­te für zunächst 20 Einzel­sub­stan­zen (PFAS 20) fest­ge­setzt wurden, darf man gespannt auf die demnächst vorlie­gen­den Mess­ergeb­nis­se sein. Zu befürch­ten ist, dass PFAS ubiqui­tär wie in ande­ren Ländern auch bei uns inzwi­schen im Trink­was­ser vorhan­den bzw. nach­weis­bar ist.

Dr. Sabi­ne Berg­mann, Landes­amt für Natur, Umwelt und Klima NRW

  • PFAS-Verun­rei­ni­gun­gen im Regio­nal­pla­nungs­raum Düssel­dorf – Sach­stand, Erhe­bun­gen und Perspektiven
  • Vortrag

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Den Abschluss unse­res Fach­ge­sprä­ches bilde­te ein kurz­wei­li­ger Bericht von Chris­ti­an Stock von der Kölner K.R.A.K.E. Bürger­initia­ti­ve, die in einem weit beach­te­ten „citi­zen science“-Projekt die enor­me Verschmut­zung des Rheins durch alle mögli­chen Müll-Frak­tio­nen nach­wei­sen konn­ten. Jedes Jahr, so die Abschät­zung, sollen 3000 bis 4700 Tonnen Müll, über­wie­gend Plas­tik­pro­duk­te, über den Rhein in die Nord­see gelan­gen. Für das konti­nu­ier­li­che Anwach­sen zukünf­ti­ger Altlas­ten ist so bestens gesorgt. Offen und kontro­vers disku­tiert blieb, wie dieser Vergif­tungs­öko­no­mie wirk­sam Einhalt gebo­ten werden kann. Beein­dru­ckend auf jeden Fall das bürger­schaft­li­che Enga­ge­ment, dass eine solche Thema­tik erst bewusst und zugleich zu einem Thema der wissen­schaft­li­chen Forschung macht.

Foto: U. Sickel­mann Der Rhein bei Emmerich 

Chris­ti­an Stock, Unter­su­chun­gen der K.R.A.K.E. Bürger­initia­ti­ve (Kölner Rhein-Aufräum-Komman­do-Einheit e.V.)

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