Wir erinnern uns:
Die Landesregierung hat Anfang September 2023 den Findungsprozess für die Ausweisung eines zweiten NRW-Nationalparks gestartet. Der grüne Umweltminister Oliver Krischer brachte den Reichswald (bei Kleve) in die Diskussion ein. Es sollte der Zweite in NRW werden und damit eine Forderung aus dem Koalitionsvertrag erfüllt werden. Es handelte sich um das über 5000 ha große Waldgebiet des Reichswaldes südlich von Kleve, der größten und geschichtsbehafteten Waldregion des Niederrheines.
Kampagnen gegen Nationalparkeinrichtung
Eine beispiellose Kampagne gegen die Einrichtung eines Nationalparks wurde von der örtlichen CDU losgetreten. Die Diskussion war geprägt von Fehlinformationen und Schüren von Ängsten. Es gipfelte in der Behauptung der Stadtwerke Kleve, dass die Einrichtung des Nationalparks die Trinkwassergewinnung gefährden würde (Kleve 18.11.2024 NRZ
Zum Artikel der NRZ 18.11.2024:
Gleichzeitig wurde der angelaufene Bürgerentscheid im Dezember 2024 von der örtlichen CDU heftig bekämpft. Die Bürgerinnen und Bürger des Kreises Kleve sollten entscheiden, ob sich der Kreis Kleve mit der Fläche des Reichswalds beim Land Nordrhein-Westfalen um die Realisierung eines möglichen Nationalparks bewirbt. Der Bürgerentscheid wurde mit äußerst knapper Mehrheit (52%) von der Bevölkerung abgelehnt.
Grüne Regionalratsfraktion: Keine Windräder im Reichswald – Standort ungeeignet
Unsere Fraktion hatte parallel bei der Neuausweisung von dringend benötigten neuen Windenergieflächen in NRW im Rahmen der 18. Änderung des Regionalplanes den gesamten Reichswald aber als ungeeignet erachtet, da hier perspektivisch eine Aufwertung von teilweise noch vorhandenen Nadelwaldflächen in Mischwaldflächen auch anerkanntes Ziel der Naturschutzbehörden und der Nationalparkbefürworter war. Außerdem wurde die Bedeutung des Biotop-Verbundsystems auf Landesebene als besonders bis herausragend eingestuft.
Allerdings wurden unsere diesbezüglichen Anträge – die wenige Jahre zuvor bei der Aufstellung des derzeitigen Regionalplanes noch eine Mehrheit fanden – diesmal mehrfach abgelehnt. Einzig eine Verkleinerung des Gebietes von knapp 100 ha auf ca. 60 ha im Süden des Reichswaldes konnten wir mitbewirken.
Antrag der Grünen Fraktion zur Sitzung des Regionalrates am 05.03.2025:
SPD, FDP und auch die CDU im Regionalrat votierten im Düsseldorfer Regionalrat 2025 für die Errichtung von Windrädern im südlichen Reichswald. Doch die Klever CDU und die CDU-Abgeordneten des Landkreises Kleve, die die Grünen heftig angingen, waren der festen Überzeugung, dass sie trotz Ablehnung der Nationalparkidee Windräder verhindern könnten. Das hat sich jetzt endgültig als Irrweg herausgestellt.
Kreis Kleve verliert vor dem Oberverwaltungsgericht
Am 12.6.2026 verwarf der 22. Senat des Oberverwaltungsgerichtes in Münster den Eilantrag des Landkreises Kleve auf Untersagung der Errichtung von Windrädern im Reichswald mit so deutlichen Argumenten, dass der Landkreis Kleve wohl auf einen generellen Normenkontrollantrag verzichten wird.
Urteilsbegründung 12.06.2026
Der Weg für Windräder im südlichen Reichswald, die übrigens seit längerem von der Firma ABO-Wind projektiert werden, ist somit frei. Das Schüren von Ängsten vor „Mehr Natur“ oder den Gefahren eines Regionalparks für die regionale Wasserversorgung hat jetzt dazu geführt, dass die ör CDU, die aus ideologischen, vielleicht auch aus naturschutzfachlichen Gründen, in diesem Waldgebiet Windräder verhindern wollte, diese durch die Ablehnung eines Nationalparks letztendlich möglich macht. Eine kritische Reflexion des eigenen Verhaltens können wir bislang nicht erkennen.
Interessant in der nicht einfach zu lesenden fast 30 Seiten langen Urteilsbegründung war übrigens, dass das Gericht sich mehrfach mit den grünen Änderungsanträgen und den diesbezüglichen Antworten der Bezirksregierung auseinandersetzte. Da scheint jedenfalls doch jemand grüne Anträge ganz besonders intensiv zu lesen.




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