Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
möglicherweise sind in Grevenbroich am Gasthausbusch, in Neurath und Frimmersdorf vier großskalige Rechenzentren (Hyperscaler) vorgesehen.
Der Regionalrat hat sich im Rahmen der 5., der 16. und der 22. Änderung des Regionalplans teilweise damit beschäftigt. Dabei wurden Fragen der Strom- und Wasserversorgung weitgehend auf die nachgeordneten Planungsebenen verwiesen.
Diese großen Rechenzentren und die KI verbrauchen viel Strom und Wasser. Wir haben die Anfrage nach der kumulativen Auswirkung gleich vier großer im südlichen Rhein-Kreis Neuss geplanter Rechenzentren gestellt.
Die Antwort erwarten wir zum Sitzungsblock im Juni 26
Antwort der Bezirksregierung vom 26.05.26
Zur aktuellen Diskussion haben wir zwei Diskussionsbeiträge verlinkt
Die Zeit 17. April 26 : Wieviel Wasser das Rechenzentrum verbraucht? Ist eine Geheimnis.
Podcast des Deutschlandfunks : Wieviel Energie eine Chatbot Anfrage wirklich kostet
Studie Ökoinstitut/ Greenpeace: Die regionale Klimakluft von Rechenzentrum
Kommentar der Grünen im Düsseldorfer Regionalrat:
Die Antwort der Bezirksregierung auf die grüne Anfrage ist einerseits eine nüchterne und offenbar korrekte Beschreibung der Sachlage, andererseits die Bankrotterklärung einer Raumplanung, die die materielle Infrastruktur der Digitalisierung noch immer wie eine unsichtbare Zukunftstechnologie behandelt, obwohl Rechenzentren in erheblichem Maße Wasser, Energie und Landschaft verbrauchen.
Es gibt gute Gründe zu befürchten, dass sich die Stadt Grevenbroich mit ihren parallelen Planungen für Rechenzentren in Frimmersdorf, Neurath und am Gasthausbusch übernimmt. Der 69.000-Einwohner-Stadt, die schon heute stark von strom- und wasserintensiver Industrie geprägt ist, könnten schlicht die technischen und natürlichen Ressourcen für diese Vielzahl an Projekten fehlen. Grevenbroich ist eng an die Wasserbilanz der Erft gebunden und zugleich von den Folgen des Braunkohleausstiegs betroffen.
Ein Hyperscale-Rechenzentrum verbraucht angeblich so viel Strom wie etwa 250.000 Menschen und so viel Wasser wie rund 130.000 Menschen. Wie belastbar solche Zahlen sind, ist allerdings unklar – denn ausgerechnet in einer Branche, die von Daten lebt, ist die Datenlage zum Strom- und Wasserverbrauch ihrer Anlagen erstaunlich dürftig. Wenn mehrere Hyperscaler in einem Korridor entstehen sollen, ist eine strategische Gesamtbetrachtung vonnöten. Die funktioniert aber nur, wenn der Ressourcenverbrauch einer Anlage nicht als Betriebsgeheimnis behandelt wird.
Vor diesem Hintergrund ist die Einschätzung der Bezirksregierung Düsseldorf ziemlich gewagt, dass im Rahmen einzelner Anlagegenehmigungen die kumulativen Auswirkungen mehrerer Rechenzentren sachgerecht berücksichtigt werden könnten. Denn in diesen Verfahren gewinnt nicht, wer nachhaltig plant, sondern wer zuerst einen vollständigen und genehmigungsfähigen Antrag einreicht. Nachfolgende Investoren müssen dann mit den dadurch entstandenen “Vorbelastungen” leben.
Auf Nachfrage wollte die Bezirksregierung nicht ausschließen, dass die Genehmigung des geplanten Digitalparks in Frimmersdorf daran scheitern könnte, dass Wasser- und Energieressourcen bereits durch die benachbarte Ansiedlung von IT.NRW gebunden sind.
Für die grüne Regionalratsfraktion ist es keine kluge Wirtschafts- und Umweltplanung, wenn zentrale Fragen der Ressourcenbelastung auf bislang nicht existierende Genehmigungsanträge geschoben und in einzelne Zuständigkeiten verschoben werden. Damit wird die untrennbare Einheit von Wasser, Energie und Landschaft ebenso zerstückelt wie das funktionale Zusammenwirken mehrerer Rechenzentren.
Hilfreich für Genehmigungsverfahren können die Daten eines noch auszubauenden Projekts des Erftverbands sein. Dabei wurden zunächst exemplarisch 80 wirtschaftliche Fokusflächen des Rheinischen Reviers hydrogeologisch geprüft und der Grad des wasserwirtschaftlichen Klärungsbedarfs bewertet.
Das Projekt kam allerdings erst zustande, nachdem der Düsseldorfer Regionalrat mehrheitlich im „schnellsten Regionalplanänderungsverfahren aller Zeiten“ (Michael Hildemann zur 16. Regionalplanänderung) rund 23 Hektar wertvolle Ackerfläche am Grevenbroicher Gasthausbusch in eine Fläche für ein Hyperscale-Rechenzentrum planerisch aufgegeben hatte. Um zur digitalen Zukunft des Rheinischen Reviers beizutragen, wurde “auf die Schnelle” der Schutz von Böden mit hoher Klimarelevanz und hohem Wasserrückhaltevermögen aufgegeben. Das ist seit dem 29. Mai 2024 rechtskräftig und steht symbolisch für das Gegenteil einer ressourcenorientierten Regionalplanung.
Inzwischen scheint Microsoft das Interesse an dieser Fläche verloren zu haben und investiert stattdessen in den benachbarten Städten Bedburg, Bergheim und Elsdorf. Diese Kommunen mit zusammen rund 108.000 Einwohner*innen liegen allerdings im Rhein-Erft-Kreis und damit im Zuständigkeitsbereich des Regierungsbezirks Köln.
Bis heute hat keine Behörde ein regionales Ressourcenbudget für Rechenzentren und andere Industrieansiedlungen so definiert, dass es für strategische Planungstools eingesetzt werden kann. Noch immer weiß niemand genau, wo die jeweiligen ökologischen und technischen Belastungsgrenzen liegen und welche regionale und kommunale Planungen sie überschreiten könnten.
Wir meinen, dass es Ziel einer verantwortungsvollen Regional- und Wirtschaftsentwicklung sein sollte, Ansiedlungen, Infrastruktur und Ressourcenschutz von Anfang an gemeinsam zu betrachten, um Konflikte zu vermeiden, statt sie später verwalten zu müssen.



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