Die Regionalratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat sich trotzdem wie insbesondere die Ratsfraktionen im Bergischen Land in den letzten Jahren mehrfach für die Verbesserung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) im Bergischen Städtedreieck und rechtsrheinischen Raum eingesetzt. Zum einen wurden Anträge in den Stadträten gestellt, die auch oftmals beschlossen wurden. Zum anderen wurde der Kontakt zu überregionalen Ansprechpartnern gesucht, um für Maßnahmen zur Fortentwicklung zu werben.
In den Gremien des Regionalrats haben wir uns in den letzten Jahren z.B. dafür eingesetzt, dass der VRR seinen neuen Nahverkehrsplan (https://nahverkehrsplan.vrr.de/) und seine Zielnetzkonzeption 2040 für den SPNV (https://www.vrr.de/fileadmin/user_upload/pdf/Presse/Publikationen/VRR-Broschuere_Zielnetz2040.pdf ) vorstellen konnte.
Ferner konnten wir auf unsere Initiative einen unterstützenden Beschluss herbeiführen, dass die Schienenverbindung Wuppertal-Remscheid – Solingen – Düsseldorf auf sogenannte BEMU-(Batterieelektrische)-Züge umgestellt werden soll, damit das leidige zeitintensive Zugwechseln und Umsteigen zwischen Dieselzügen auf Elektro und umgekehrt am Hauptbahnhof Solingen entfallen kann.
Es wäre so möglich, die gesamte Zugverbindung im Bergischen Land auf Elektro-Traktion umzustellen und damit zu einer wesentlichen Luftverbesserung und CO2 Minderung beizutragen. Eine Elektrifizierung der Strecke ist wegen der besonderen technischen Konstruktion von Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke, der Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid, nicht möglich.
Die vor Ort vorgenommenen Initiativen und Anträge im Großraum Bergisches Land erstrecken sich im Wesentlichen auf drei Themenbereiche:
- a) Ausbau der Eisenbahn-Infrastruktur (Gleise und Bahnhöfe)
- b) Weiterentwicklung des Netzes auf der Basis und der Vorschläge des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) für den Zeitraum 2032 – 2040
- c) Ersatzverkehre bei Baustellen, die eine Einschränkung oder vollständige Unterbrechung des SPNV-Angebotes bedingen.
Foto Kurt Wieder – S‑Bahn “Solingen” im Solinger Hauptbahnhof
1. a) Ausbau der Eisenbahn-Infrastruktur (Gleise und Bahnhöfe)
Wir müssen leider damit leben, dass Nordrhein-Westfalen zurzeit das Schlusslicht bei der Zustandsbewertung des Fahrwegs bildet (Seite 56 des zuvor verlinkten Berichts). Das Land hat darauf reagiert und eine Kooperationsvereinbarung zum Ausbau der Infrastruktur mit der DBInfraGO geschlossen (siehe beide nachfolgende Links). Wenn einmal alle darin gelisteten Maßnahmen umgesetzt sein werden, dürfte sich die Situation deutlich verbessert haben.
Aus Bergischer Sicht sind folgende Infrastrukturmaßnahmen besonders zu nennen:
- Umsetzung der Beschlüsse und Zusagen zur Errichtung des Haltepunktes Solingen-Meigen und neuer Haltepunkte in Remscheid wie Honsberg.
- Errichtung eines dritten Gleises zwischen Solingen Hbf. und Leverkusen-Opladen sowie Schaffung eines Haltepunktes Solingen-Landwehr/Langenfeld im Bereich der Eisenbahnunterführung der Bundessstraße 229.
Foto Kurt Wieder – Alter Bahnsteig Landwehr
- Schaffung der Möglichkeit einer überschlagenden Wende für eine aus Solingen kommenden S‑Bahn am Bahnhof Leverkusen-Opladen.
- Aufweitung des Rauentaler Tunnels in Wuppertal-Langerfeld auf zwei Gleise, damit die Kapazität der Eisenbahnverbindung Wuppertal – Remscheid – Solingen auch zukünftigen Anforderungen des S‑Bahnverkehrs auf der Relation Solingen – Remscheid – Wuppertal genügt. https://bahnbau-nrw.deutschebahn.com/projekte/rauenthaler-tunnel.html
- Kapazitätsausbau des Düsseldorfer Hbf. zur Aufnahme von bis zu sechs Zugverbindungen/stündlich aus Richtung Solingen/Hilden.
- Vollständige Generalsanierung der Strecke Köln – Solingen – Wuppertal – Hagen einschließlich der – leider jetzt noch nicht durchgeführten Modernisierung der Stellwerke. Diese waren zuletzt sehr schlecht und mangelhaft bewertet worden.
https://dserver.bundestag.de/btd/21/035/2103554.pdf (Frage 24, Seite 7 der Antwort der Bundesregierung)
- Errichtung eines Gleistrapezes wie in der Vereinbarung des Landes NRW vom Juli 2019 für ein robustes Netz NRW vorgesehen im Bereich des Haltepunktes Düsseldorf-Eller Mitte
https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV17-2300.pdf
Nur die Realisierung des Weichentrapezes in Düsseldorf ermöglicht einen S‑Bahn-Betrieb während baustellenbedingter Sperrung im Umfeld des Düsseldorfer Hbf. zwischen Solingen und Düsseldorf-Eller Mitte. Dies ist aus Bergischer oder aus Hildener Sicht unbedingt vor einer in 2028 angedachten langjährigen Vollsperrung des Düsseldorfer Hbf. für den S‑Bahn-Betrieb aus Richtung Solingen zu realisieren.
- Vollständige Umrüstung des Fahrzeugparks für die S‑Bahnen auf batterieelektrische BEMU-Triebfahrzeuge (Battery Electric Multiple Unit).
2. b) Weiterentwicklung des Netzes auf der Basis der Vorschläge des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) für den Zeitraum 2032 – 2040
Hinsichtlich des Angebotsausbaus bestehen folgende Forderungen, die der Umsetzung des Mobilitätskonzeptes des VRR dienen https://www.vrr.de/fileadmin/user_upload/pdf/magazin/2023_Artikel/Zielnetz_2040.pdf
- Fortführung der S 1 von Düsseldorf über Solingen Hbf. hinaus bis Leverkusen-Opladen.
- Verkürzung des S‑Bahntaktes auf der Relation Wuppertal – Remscheid – Solingen – Düsseldorf von 20 Minuten auf 15 Minuten.
- Vollständige Durchbindung des S‑Bahnverkehrs auf dieser Relation.
- Umlegung der Regionalexpresslinie 2 (RE 2):
Die Planungen des Landes NRW und des VRR (Konzeption 2032 – 2040) sehen vor, dass der bisherige RE 2 (Düsseldorf – Essen – Gelsenkirchen – Recklinghausen – Münster – Osnabrück) eine neue Streckenführung (Köln – Solingen – Wuppertal – Hagen – Bochum – Recklinghausen – Münster) erhält.
Auf der Relation Köln – Solingen – Wuppertal – Hagen würde damit neben dem RE 7 ein weiterer RE verkehren und eine deutliche Angebotsverbesserung zur Folge haben. Zudem entstünde mit dem Fahrtziel Bochum ein echter Mehrwert durch eine direkte Verbindung ins Ruhrgebiet. Münster könnte über eine alternative Route mit anderen Unterwegshalten zum RE 7 erreicht werden.
3. c) Ersatzverkehre bei Baustellen, die eine Einschränkung oder vollständige Unterbrechung des SPNV-Angebotes bedingen.
Die Baumaßnahmen zur Errichtung der RRX-Infrastruktur in Düsseldorf erfordern, dass die S 1 wahrscheinlich ab 2028 für ca. 2 ½ Jahre von Solingen kommend in Düsseldorf-Eller Mitte abgebunden wird. Diese Unterbrechung muss mit einem umfangreichen Ersatzverkehrsangebot aufgefangen werden.
Kernelement dieses Ersatzangebotes sollte die Zusammenlegung des RE 47, der S 1 und der S 7 auf der Relation Wuppertal Hbf. – Remscheid – Solingen – Düsseldorf-Eller Mitte zu einer durchgehenden, nicht durch Umstiege unterbrochenen im 20-Minuten-Takt verkehrenden Verbindung sein. Basis dieser Verbindung wären die neun Fahrzeuge der Linie S 7 und die drei Fahrzeuge des RE 47.
Fazit:
Die Fülle der angedachten und vorgeschlagenen Maßnahmen macht deutlich, wie komplex eine zukunftsgerichtete Sanierung und Modernisierung unserer Schieneninfrastruktur sich darbietet. Jahrelange Vernachlässigung der Bahn und Bevorzugung des Autoverkehrs wird ein sich über Jahrzehnte hinziehendes kostenträchtiges Infrastruktur- Programm erfordern. Unterbleibt dies, rückt eine Verkehrswende in weite Ferne.
Manfred Krause und Kurt Wieder, Solingen im Juni 2026




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