Seit über 10 Jahren versucht die Stadt Solingen, gestützt durch eine breite Stadtratsmehrheit, das im Ittertal hin zur Haaner Stadtgrenze gelegene Buschfeld, eine knapp 20ha große, überwiegend landwirtschaftlich genutzte Fläche, dauerhaft als Freiraum zu erhalten.
Zweimal schon hat der Regionalrat darüber abgestimmt, ob es ein entsprechendes Regionalplanänderungsverfahren geben soll: Vor Jahren gab es ein Stimmenpatt, aber letztes Jahr war die Mehrheit des Regionalrates (gegen die Stimmen von CDU und FDP) für ein solches Verfahren.
Deshalb legte die Bezirksregierung eine entsprechende Beschlussfassung für den 2026er März-Sitzungsblock vor.
Doch die CDU wollte zuvor (noch einmal) eine Ortsbesichtigung, der einhellig zugestimmt wurde (obwohl eigentlich fast alle das Gebiet kennen dürften oder sollten). Am 29.4. war es bei gutem Wetter so weit: etwa ein Drittel der Regionalratsmitglieder war anwesend. Gut vertreten auch die Solinger Stadtverwaltung und die Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“[Link auf Homepage] , die sich seit fast 15 Jahren dafür einsetzt, dass das Ittertaler Bachtal zwischen Hilden-Haan-Solingen und Wuppertal nicht noch weiter durch Gewerbe- und Wohngebiete zugebaut wird.
Die Mitglieder der Bürgerinitiative, die sich auch zu Wort meldeten, verteilten einen Flyer, der wichtige Argumente zum Erhalt der Fläche Buschfeld, eingerahmt durch mehrere Naturschutzgebiete und Bachtäler, aufzeigte.
Zu Beginn der Ortsbesichtigung stellten die Regionalplanerinnen der Bezirksregierung und der Solinger Planungsdezernent ihre jeweiligen Sichtweisen dar. Schwerpunkt der Diskussion war hier die Frage, wieviel Gewerbefläche muss die Stadt Solingen (gemäß dem Regionalplan) vorhalten: Die Bezirksregierung verwies auf ein Defizit von ca. 30 ha (bei insgesamt rechnerisch vorzuhaltenden 120 ha), die Stadt Solingen betonte, dass sie an anderer Stelle gerade auch im Ittertal neue Gewerbegebiete planerisch erschließen würde, wohingegen die Bürgerinitiative betonte, dass die alten Berechnungen überholt seien und in den letzten Jahren kaum noch ein Hectar zusätzlich als Gewerbefläche hinzugekommen wäre.
Wir wiesen darauf hin, dass nur einen Kilometer entfernt ein großer Räderhersteller vor wenigen Jahren in Konkurs gegangen und seinen Betrieb geschlossen hätte. Acht Hectar zusätzliche Gewerbefläche stände zur Verfügung. Schwerpunkt müsste es sein, solche Gewerbebrachen nicht verfallen zu lassen, sondern für neue Gewerbeansiedlungen bereitzustellen.
Bezirksregierung, Solinger Stadtverwaltung und Bürgerinitiative legen den anwesenden Regionalratsmitgliedern ihre Standpunkte dar – Foto: Manfred Krause
Dann ging es auf das frisch gemähte Feld. Auf der Kuppenlage des „landwirtschaftlichen Filetstücks“ (so die Landwirtin und Pächterin des Geländes Frau Nau) drehte sich der Diskussionsschwerpunkt und die Stimmung: Ökologische Themen und Ernährungssicherheit rückten in den Vordergrund.
Augenfällig die Bedeutung des Buschfelds als Kaltluftentstehungsgebiet für die angrenzende Wohnbebauung. Ringsum kamen jetzt auch die Naturschutzgebiete in den Blick und die Rolle des Buschfeldes als wichtige Biotopverbindungsfläche in einem größeren Biotopverband zwischen Wuppertal bis hin zur Rheinschiene in Benrath/Urdenbach. Und die (CDU-)Ratsvertreter aus Haan warnten vor dem potentiellen Schwergüterverkehr durch ihre Innenstadt.
Doch am eindrücklichsten blieben zum Schluss der Ortsbegehung vielleicht die Worte der beiden Landwirte Meinsma und Nau: Ein solches Gebiet gäbe es nicht mehr in Solingen. Frau Nau betonte, dass sie die Fläche vor zwei Jahren auf Wunsch der Eigentümer, hier in Zukunft ökologisch zu produzieren, übernommen hätte. Jetzt würde Biogetreide unter anderem für die Regionalbäckerei Schüren angebaut, eine perfekte regionale Kreislaufwirtschaft ohne Zwischenhandel. Landwirt Meinsma von der Ortsbauernschaft verwies dabei auf die zunehmende Bedeutung von Ernährungssouveränität in unserem Land.
Fazit: Eine gelungene Ortsbesichtigung bei gutem Wetter, die hoffentlich auch die Initiatoren überzeugt hat, den Erhalt des Buschfelds als Freiraum und landwirtschaftliche Fläche zu sichern. Die Solinger CDU-Regionalrätin Frau Riege betonte jedenfalls im Gespräch, sich für den Erhalt der Fläche einzusetzen. Im Juni soll in den Gremien des Regionalrates die Entscheidung über einen betreffenden Aufstellungsbeschluss getroffen werden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.




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